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Blinken – ein Relikt aus der Vergangenheit?

Man fragt sich ja inzwischen:
Wann genau soll man diesen mysteriösen Blinker eigentlich einsetzen?

In der Fahrschule hieß es noch, man solle ihn rechtzeitig vor dem Ändern der Fahrtrichtung betätigen. Ziel: andere Verkehrsteilnehmer sanft darauf hinweisen, dass sie vielleicht nicht gerade in den Tiefschlaf abgleiten sollten.
„Rechtzeitig“ bedeutete: vor Bremsen, Anhalten oder Abbiegen.
Klingt logisch. Also theoretisch.

Denn offenbar leben wir inzwischen in Zeiten, in denen Blinken als Akt der Rebellion gilt. Immer mehr Verkehrsexperten ignorieren dieses Feature ihres Fahrzeugs konsequent. In der Stadt und auf der Landstraße ist das nervig – auf der Autobahn wird es lebensgefährlich. Besonders für jene, die in ihrer mobilen Feststoffrakete mit 300 km/h angerauscht kommen.

Nehmen wir Chantal.
Nach 50 Kilometern meditativen Dahingleitens in ihrem Toyota Starlet kommt sie plötzlich zu dem Entschluss, dass es doch ganz nett wäre, den LKW zu überholen. Natürlich ohne zu blinken. Überraschung ist schließlich alles.

Oder Kevin.
Tokio-Drift-Subaru, direkt auf die Überholspur, Blinker Fehlanzeige. Er scheint zu glauben, dass sein Manöver an sich schon ausreichend Kommunikation darstellt. Wer lebt, lernt.

Dann der Worst Case:
Opa Müller. Hymer-Camper. Plötzlich ein LKW vor ihm. Und was macht er? Genau – er zieht auf die linke Spur. Ohne Signal. Reflexe statt Information. Wird schon gutgehen.

Es gibt allerdings auch die gegenteilige Spezies:
Der 3er-BMW-Fahrer, der dauerhaft links blinkt. Egal, was passiert.
Wo will er hin?
Ein Paralleluniversum?
Oder ist das einfach nur ein Dauerzustand innerer Unruhe?

Doch das Blink-Mysterium beschränkt sich nicht auf Autobahnen. Auch im Stadtverkehr und auf Landstraßen begegnen uns wahre Meisterwerke der Blink-Performance. Besonders beliebt: Bremsen, Abbiegen und Blinken in einer einzigen fließenden Bewegung.
Das Bremsen kommt meist minimal früher – pädagogisch wertvoll. So weiß der Hintermann wenigstens, wie nah er aufgefahren ist.

Bei Hindernissen gilt eine einfache Regel:
Der Blinker wird nur gesetzt, wenn man selbst warten muss. Sonst könnte ja jemand auf die Idee kommen, um einen herumzufahren. Hindernisse werden grundsätzlich ohne Bremsen umkurvt. Der Hintermann soll schließlich auch etwas von der Action haben.

Der eigentliche Endgegner aber bleibt der Parkplatz.
Dass hier ebenfalls die StVO gilt, ist eher ein Gerücht. Viel spannender ist es doch, wenn jeder rät, wohin der andere will.
Blinken? Nein, danke.
Raten hält jung.

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