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Reichweite – früher, heute, egal warum

Die RAF wollte Aufmerksamkeit.
Nicht Zustimmung, nicht Verständnis – Aufmerksamkeit.
Sie wusste: Wer sichtbar ist, existiert. Wer ignoriert wird, verschwindet.

Ihre Mittel waren analog, brutal und politisch motiviert.
Ihre Reichweite war real, flächendeckend und unfreiwillig.
Plakate in Banken, Gesichter im Fernsehen, Namen, die jeder kannte.
Algorithmen brauchte es nicht – Angst reichte.

Heute funktioniert Reichweite anders, aber nicht grundlegend anders.
Auch heute zählt nicht, was jemand kann, sondern wie oft er auftaucht.
Nicht die Aussage ist entscheidend, sondern die Interaktion.
Nicht Bedeutung, sondern Bewegung.

Der Influencer braucht keine Ideologie.
Er braucht Klicks.
Und er weiß: Provokation schlägt Inhalt, Wiederholung schlägt Qualität
und Empörung schlägt alles.

Der Unterschied zur RAF?
Die Mittel sind harmloser.
Das Ziel ist es nicht.

Denn Reichweite ist heute kein Nebenprodukt mehr –
sie ist der Zweck selbst.
Und wer Aufmerksamkeit erzeugt, egal womit,
gilt automatisch als relevant.

Vielleicht ist das die bitterste Erkenntnis:
Die Mechanik ist dieselbe geblieben.
Nur der Anspruch ist verschwunden.

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