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Gute Absichten ersetzen keine Leistung

Tja, wo fängt man da an. Rückblickend auf die eigene Schulzeit war ja eigentlich noch alles in Ordnung. Es gab drei Schulformen, und die hatten einen ganz wunderbaren Vorteil: Sie haben einem früh erklärt, wo man ungefähr landet. Effizient, ehrlich, gnadenlos. Lehrer hießen noch Lehrer und nicht Lehrer:innen, warfen wahlweise mit Kreide oder Schlüsseln, rauchten im Lehrerzimmer und wurden nicht verklagt, wenn sie im Unterricht mal die Stimme erhoben. Autorität nannte man das. Heute heißt es Trauma.

Ergänzend dazu gab es Förderschulen. Ein damals uncharmanter, aber erstaunlich präziser Ansatz für Schüler, bei denen die Kerze eben nicht ganz so hell brannte. Nicht böse gemeint, nur realistisch. Man half, wo Hilfe sinnvoll war, und tat nicht so, als ließe sich jede biologische, soziale oder intellektuelle Differenz durch gute Absichten wegpädagogisieren.

Heute hingegen haben auf Gemeinschaftsschulen alle die gleichen Chancen – wenn auch weiterhin nicht die gleiche Intelligenz. Dank Inklusion, vier Schulbegleitern pro Klasse und dem heiligen Recht auf Teilhabe sind vor allem alle eines: genervt. Schüler, Lehrer, Eltern. Nur die Politik ist zufrieden, denn sie hat erfolgreich vergessen, dass man ein Bildungssystem auch an die eigenen Ideale anpassen müsste.

Besonders wichtig ist inzwischen, dass Schüler auf gar keinen Fall mehr Noten bekommen. Noten könnten ja darauf hinweisen, dass Leistung existiert. Oder schlimmer noch: dass jemand weniger geleistet hat als ein anderer. Das setzt unter Druck, und Druck ist bekanntlich der natürliche Feind von Lernen. Stattdessen gibt es Feedback, Kompetenzraster und pädagogisch wertvolle Wohlfühlprosa, mit der man hervorragend durchs Leben kommt – nur leider nicht durch eine Bewerbung.

Und dann wären da noch die Eltern. Moderne Social-Media-Eltern, die unmöglich auch noch erziehen können. Das wäre wirklich zu viel verlangt. Schließlich muss man kommentieren, liken, optimieren und sich selbst verwirklichen. Also übernimmt die Schule das bitte gleich mit. Wertevermittlung, Sozialkompetenz, Frustrationstoleranz, Medienerziehung – und am besten noch die Garantie, dass am Ende alle Akademiker werden. Irgendwer muss ja später die Studiengänge „Angewandte Perspektivlosigkeit“ und „Master of Selbstverwirklichung“ füllen.

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