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Früher hat man gelogen.
Heute nennt man es anders denken.
Wer dich empört, hat deine Aufmerksamkeit gekauft.

George Orwell würde sich im Grab umdrehen.
Nicht panisch, nicht empört – eher so, als hätte er leise „Na toll“ gemurmelt.

Er hat eine Dystopie mit Überwachung, Zensur und Angst entworfen.
Wir haben daraus eine Benutzeroberfläche gemacht.
Kein Zwang, keine Stiefel, kein Schreien.
Nur Begriffe wie „Narrativ“, „alternative Fakten“ und „Einordnung“.

In manchen Ländern ist 1984 brutale Realität.
Bei uns ist es eine Option.
Man muss nicht mitmachen – aber erstaunlich viele klicken trotzdem auf „Akzeptieren“.

Wir empören uns im Minutentakt, teilen zuverlässig die nächste Zuspitzung und nennen das dann Diskurs.
Früher wollte man die Wahrheit wissen.
Heute reicht es, sich richtig zu fühlen.

Das eigentlich Unheimliche ist nicht, dass Orwell recht behalten hat.
Sondern dass seine Dystopie heute kein Schreckensszenario mehr ist, sondern ein bequemes Hintergrundrauschen.

Und vielleicht würde er sich im Grab genau deshalb umdrehen.
Nicht wegen der Welt.
Sondern wegen uns – und weil wir dabei erstaunlich entspannt aussehen.

Thoughtcrime
Doublethink