
Was ist ein Künstler heute?
Wikipedia definiert einen Künstler wie folgt:
„Als Künstler werden heute in der bildenden Kunst, der angewandten Kunst, der darstellenden Kunst, der Literatur sowie in der Musik kreativ tätige Menschen bezeichnet, die als Arbeiten oder Kunstwerke bezeichnete Erzeugnisse künstlerischen Schaffens hervorbringen.“
Ein Kunstwerk wiederum ist laut Wikipedia
„das Erzeugnis künstlerischen Schaffens“. Umgangssprachlich steckt darin oft Bewunderung für etwas Meisterhaftes, Einzigartiges oder ästhetisch Gelungenes. In der zeitgenössischen Kunst heißt es gern nüchtern „das Werk“ oder „die Arbeit“ – eine Rückkehr zur altgriechischen Bedeutung von machen.
Stellt man diese beiden Definitionen hintereinander, drängt sich eine einfache Frage auf:
Bin ich dann auch ein Künstler?
Denn weder der Begriff Künstler noch der des Kunstwerks impliziert, dass etwas gefallen muss. Kunst soll oft gar nicht gefallen. Sie darf irritieren, nerven, provozieren, Fragen stellen oder Reaktionen erzwingen. Zustimmung ist kein Qualitätsmerkmal – Aufmerksamkeit schon eher.
Im Social-Media-Zeitalter ist ein Künstler immer noch ein Künstler, wenn sein Werk auch ohne soziale Medien ein Publikum finden könnte. Es ist legitim, Reichweite zu nutzen. Fragwürdig wird es erst dort, wo Reichweite selbst zum Werk erklärt wird.
Damit stellt sich die nächste Frage zwangsläufig:
Gibt es Künstler, die keine klassischen Kunstwerke mehr erschaffen, sondern ausschließlich digital produzieren und verbreiten?
Ist ein Meme ein Kunstwerk?
Ist ein Influencer ein Künstler?
Und wenn ja: Ab wann ist es Kunst – und ab wann kann es weg?
Vielleicht besteht mein Kunstwerk genau darin, diese Fragen nicht zu beantworten,
sondern sie immer wieder neu zu stellen.
Was heute oft schon als Kunst gilt, ist weniger das Werk als seine Verbreitung.
Nicht die Idee zählt, sondern der Algorithmus.
Nicht der Inhalt, sondern die Reichweite.
Nicht die Auseinandersetzung, sondern die Reaktion.
Wenn alles Kunst ist, was Klicks erzeugt,
ist Kunst am Ende nur noch das, was sich nicht verhindern lässt.
Und vielleicht ist das die ehrlichste Definition unserer Zeit.